Wir brauchen Auszeiten, mitten im Arbeitsalltag

Gute pädagogische, medizinische und psychosoziale Arbeit ist nur möglich, wenn wir uns Auszeiten im Arbeitsalltag gönnen.

Immer noch herrscht der Glaube vor, Menschen wären in der Lage 8 Stunden oder länger am Tag in Beziehung zu sein. Und ja, wir können das. Die Frage ist nur, welchen Wert, welche Qualität hat eine solche Beziehung.

Wenn in Beziehung sein, die Kernkompetenz meines Berufsfeldes ist, dann sollte eine solche professionelle Beziehung eine besondere Qualität haben. Und die ist davon abhängig, ob wir selber da sein können, ob wir präsent sind, ob wir uns in unserem Ressourcenbereich befinden.

Wenn das der Fall ist, dann biete ich ein Beziehungsfeld an, das für die mir anvertrauten Menschen eine Anziehung hat. Ein Feld, in dem man sich sicher fühlt. Ein Feld, in dem Neues gelernt werden kann. Ein Feld, in dem Beziehungskompetenzen entwickelt werden können. Und nicht zuletzt, ein Feld, in dem man miteinander gesund bleiben kann.

Ich glaube, so ist es gemeint, wenn es um professionelle Beziehungen geht.

Um eine solche Qualität von Beziehung anzubieten, braucht es erstmal ein Bewusstsein dafür, dass Menschen, die mit Menschen arbeiten- gleich wie – Auszeiten, mitten im Arbeitsalltag brauchen. Regenerierungsräume und Regulationszeiten. Es braucht Räume, die uns ermöglichen immer wieder bei uns selbst anzukommen, um den eigenen Stresszustand zu regulieren, um uns immer wieder in eine gesunde Balance zu bringen.

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Auszeit heisst in diesem Falle, ich wende mich mir zu.

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Dieses, ich wende mich mir zu, braucht das Bewusstsein von Arbeitgebern und von Arbeitnehmern. Einrichtungen, wie Kitas, Schulen, Altenheime können Räume anbieten und Möglichkeiten entwickeln.

Darüber hinaus braucht es aber auch unsere Bewusstheit und unsere Übung darin, wann Regulation erforderlich wird und wie wir uns erholen können, wie wir zurückfinden in einen beruhigten Modus.

Gerade in helfenden Berufen ist es nicht alltäglich, auf sich selbst zu achten. Wollen wir die Qualität von pädagogischen, medizinischen oder psychosozialen Angeboten verbessern, sollten wir hier ansetzen.

Zeit zu haben ist ein Qualitätsmerkmal für gute Arbeit. Zeit für sich selbst und mit Kindern, mit Kranken, mit Schülern/Innen, mit Alten zu haben ist das, was Menschen in helfenden Berufen brauchen um gesund zu bleiben. Von der andern Seite ganz zu schweigen.

Schaffen wir Bedingungen, in denen Beziehungsmomente wieder gelingen können, schaffen wir Bedingungen für Gesundheit. Aus diesen Momenten gehen Menschen gestärkt und genährt hervor. Die beste Medizin gegen Burn Out und Depression, sozusagen.

Wenn wir Menschen erlauben, im Arbeitsalltag auf sich zu achten, sich immer wieder regulieren und für sich sorgen zu dürfen, wird sich die Qulität von pädagogischer, medizinischer und psychosozialer Arbeit verändern.

Schaffen wir Felder, in denen sich unsere innewohnenden menschlichen Herzensqualitäten, wie Mitgefühl, Wohlwollen, Fürsorge und Klarheit wieder zeigen können. Schaffen wir Felder, in denen wir gute Vorbilder für ein gesundes Miteinander sind.

Und schaffen wir Felder, die uns gemeinsam in die Lebensenergie und nicht in die Erschöpfung führen.

 

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