Glimmer auf der Bergwiese

Unvorstellbare Weite vor mir, das Geläute der Kuhglocken, das Schreien der Greifvögel, die Sonne am Himmel, ein warmes Lüftchen auf meiner Haut und frische Bergluft in meiner Nase.

Ich halte an, an diesem Ort und genieße. Verweile eine ganze Zeit an diesem wunderbaren Ort. An dieser wunderbaren Bergwiese.

Warum erzähl ich Ihnen jetzt von meinen Urlaubserfahrungen?

Weil es so ein schönes Beispiel für die Arbeit unseres Nervensystems ist. Inmitten dieser Landschaft, konnte ich spüren, wie mein Nervensystem arbeitet.

Es hat entschieden, hier ist es sicher. Hier beginnt Erholung. Hier an diesem Ort brauchen wir die Schutzmechanismen “Kampf und Flucht” gerade mal nicht.

Deb Dana, eine amerikanische Psychotherapeutin beschreibt diese Auslöser für das “Runterfahren” in den Vagus Bereich (beruhigender Teil des Nervensystems) als “Glimmer”.

Ich finde das ist ein wunderbares Wort für einen “Auslöser”, der uns in einen beruhigten Nervensystemzustand führt, der uns allen gut tut. Als Gegensatz dazu nennt sie die “Trigger”, also Auslöser, die uns in die Hocherregung oder in die Erstarrung führen.

Bleiben wir bei den “Glimmern”, weil sie noch wenig Beachtung finden. Der Begriff “Trigger” ist dagegen fast jedem bekannt.

Jetzt haben wir ja mitten im Alltagsgeschäft nicht überall eine Bergwiese. Einige vielleicht doch :). Aber die meisten eher nicht. Wie kommen wir also an mehr “Glimmer”, der uns beruhigt?

Dieser beruhigte Zustand unseres Nervensystems (ventraler Vagus Bereich) ist ein Zustand der Präsenz. Wir sind offen für uns und für Begegnungen. Wir können auftanken und uns erholen, weil es in diesem Nervensystemzustand nur einen geringen Grad an Anspannung braucht.

.

Und Anspannung verbraucht unsere Energie.

Wenig Anspannung – viel Energie. Hohe Anspannung – wenig Energie.

.

Was könnte Ihr “Glimmer” im Arbeitsalltag sein? Was beruhigt Sie relativ sofort? Was erlaubt Ihnen in die Präsenz zu kommen? Oder, die noch ungewohnte Frage, was mag ihr Nervensystem gern? Wobei kann es sich beruhigen?

Den Zustand, den uns der “Glimmer” schenkt, können wir vertiefen. Wir können in diesem Zustand verweilen, ihn wirklich mit allen Sinnen genießen und dabei bleiben. Die Kunst des Genießens – Savoring.

Neurobiologisch führt die Kunst des Genießens dem ventralen Vagus Energie zu. Bemerken tun wir das an der Entspannung, an der Erholung, an dem Aufatmen, an dem weicheren Blick, am kohärenten Herzschlag, . . .

All das ist Balsam für unser gereiztes Nervensystem. Beruhigende, schöne Augenblicke wirklich zu genießen. Rick Hansons, ein amerikanischer Neurobiologe nennt diese Übung “Taking into the good”.

Ich glaube, es würde uns allen gut bekommen, inmitten all dieser Katastrophen, ab und zu den Blick auf das Gute zu richten. Das Gute ist auch immer da. Es hilft uns neue Kraft zu schöpfen, um inmitten der Herausforderungen hilfreich sein zu können.

Nur Mut.

 

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.