“Zuhause sein” ist ein Gefühl.

Manchmal finden Sie in meinen Texten Redewendungen, die merkwürdig anmuten. So etwas wie: “bei sich selbst ankommen”, “sich mit sich selbst verbinden” oder “bei sich selbst zuhause sein”.

Ich meine mit diesen Redewendungen nicht das Zuhause in Form einer Wohnung, sondern das Zuhause im eigenen Inneren. Ebenso, wie das äußere Zuhause können wir das innere Zuhause gestalten. Und zwar so, dass wir uns dort wohlfühlen, dass es uns dort gut geht, wir uns angenommen und aufgehoben fühlen.

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Wo bin ich denn, wenn ich nicht zuhause in mir bin?

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Es gibt Hotels, die werben mit dem Slogan: Zuhause sein ist ein Gefühl. Und genau so ist es.

Können Sie sich noch erinnern, wie Sie als Kind nach Hause gekommen sind. Wirklich nach Hause. Wie Sie die Wohnung betreten haben? Wer Sie empfangen hat? Stand warmes, leckeres Essen auf dem Tisch? Gab es freundliche Worte? Eine Umarmung? Wie war die Atmosphäre dort? Wie war das Miteinander dort? Gab es mehr Wertschätzung oder mehr Abwertung? Haben Sie sich aufgehoben gefühlt? Ist es Ihnen dort gut ergangen? Oder haben Sie sich häufiger gewünscht an einem anderen Ort zu sein?

All diese Erfahrungen, besonders das Erleben von Atmosphären, prägen unser Gefühl von unserem inneren Zuhause.

Und nun frage ich: Wie empfangen Sie sich heute selbst? Wie sprechen Sie mit sich? Was denken Sie von sich, wenn es Ihnen einmal schlecht geht? Was wenn Sie nicht die erwartete Leistung erbringen können? Was denken Sie über sich, wenn Sie erkrankt sind? Und wie ist heute das Verhältnis zwischen Kritik, Abwertung und Wertschätzung oder Ermunterung in Ihren inneren Gesprächen mit sich selbst?

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Manchmal ist es Zeit zu Renovieren.

Neue Tapeten, ein schönes weiches Kuschelsofa und frische Blumen müssen her.

Und tatsächlich gilt dies auch für unser inneres Zuhause.

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Renovieren heißt für unser inneres Zuhause, freundlich zu schauen, wo es anders werden darf. Wo das Alte nicht mehr passt. Um dann ganz bewusst zu schauen, wie es jetzt werden darf? Wie darf – Ihr inneres Zuhause – werden, damit Sie sich wohl fühlen können an diesem Ort. In Ihrem eigenen Reich.

Wenn wir uns als Kinder zuhause wohl fühlen konnten haben wir immer wieder ein Gefühl von Sicherheit erlebt. Dieses innere Gefühl ist der Gegenspieler zu unserem Stresserleben. Wertschätzung, Anerkennung, guter Zuspruch, Einfühlung und Wohlwollen sind die regulierenden Wirkstoffe gegen zu hohen Stress und für das Gefühl von Sicherheit.

Dieses Gefühl von Sicherheit macht sich auch körperlich bemerkbar. Man könnte es mit Wohlbefinden oder Wohlgefühl beschreiben. Wir atmen tiefer, die Gedanken beruhigen sich, wir spüren und fühlen uns, müssen nicht mehr so wachsam sein, unser Herz weitet sich.

Sicherheit wirkt auf unsere Psychologie und auf unsere Physiologie. Sofort.

Es ist genau dieses Gefühl von Sicherheit, was uns das Gefühl von zuhause ermöglicht. Zu hoher Stress verhindert das Gefühl von nach Hause kommen. Im Äußeren und im Inneren.

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Wo bin ich denn, wenn ich nicht zuhause bin?

Ich stehe neben mir. Funktioniere, spüre und fühle wenig.

An Wohlgefühl ist nicht zu denken.

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Vielleicht kennen Sie auch diese inneren Zustände.

Dies sind meist Zustände von hohem Stress. Und dieser führt dazu, dass wir uns alles andere als wohl und zuhause fühlen können. Und vielleicht ist es gut zu wissen, dass wir unseren Stress immens verstärken können durch Selbstkritik, Vorwürfe, oder Herabsetzungen.

Das ist das Gegenteil von Zuhause sein. An diesem inneren Ort haben wir wenig Möglichkeit zur Ruhe zu finden.

Wenn wir die Möglichkeit hatten zu lernen, wie wir unseren Stress, wie wir die äußeren Herausforderungen im eigenen Inneren beruhigen können, ist das ein großes Geschenk.

Aber nicht alle von uns konnten genau das als Kinder erleben und lernen.

Das innere Erleben von “Zuhause sein” ist ein Lebensgeschenk, weil es uns Regeneration, Auftanken und Gesundung ermöglicht.

Wir können dann inmitten von äußerem Stress zu diesem inneren Ort “flüchten”, ihn aufsuchen und zur Ruhe kommen. Dieser innere Ort ist ein Ort, an dem wir unsere eigene Medizin finden und anwenden können.

Neurobiologisch befinden wir uns in einem Zustand, in dem alle Hirnteile zusammenarbeiten können. Das lymbische System(emotionales Gehirn) ist ruhig und meldet unserem Körper das Gefühl von Sichherheit, was dazu führt dass wir uns entspannen können, das unser Atem langsam ein- und ausströmt und unser Herz gleichmäßig schlägt. Das Gefühl von Sicherheit führt dazu, dass das emotionale Hirn und der frontale Cortex, in dem all unsere Ressourcen bereit liegen, gut zusammenarbeiten können. Außerdem ist der Vagus (Ruhe- oder Selbstheilungsnerv) aktiviert.

Genau dieses Gefühl von Sicherheit ist das Gefühl, das wir fühlen, wenn wir sagen, wir sind “bei uns zu Hause ankommen”. Weil wir da sein können, mit allem was ist. Weil wir aufgehoben und willkommen fühlen.

Zuhause sein gehört zum Leben, zu Funktionieren gehört zum Leben. Das Maß entscheidet.

Das Schöne ist, wenn wir nicht gelernt haben uns in die Ruhe zu führen, wenn wir uns kein wohlwollendes inneres Zuhause einrichten konnten – können wir es jetzt lernen, können wir es jetzt tun. Für uns selbst, für unsere Kinder, für ein gelingendes und friedliches Miteinander.

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