Eigene Grenzen wahrnehmen und setzen

Grenzen setzen ist für viele Menschen ein wichtiges Thema. Dieses “Stop, hier ist meine Grenze” kommt uns nicht einfach über die Lippen.

Einerseits hat dies mit inneren Ängsten zu tun. Manchmal glauben wir, wir werden abgelehnt oder fallen gelassen, wenn wir die Wünsche und Vorstellungen anderer nicht erfüllen.

Andererseits hat das Grenzen setzen – und das soll heute mein Thema in diesem Blog sein – viel mit der körperlichen Wahrnehmung von Grenzen zu tun.

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Wie wollen wir Grenzen setzen, wenn wir sie weder wahrnehmen, noch spüren können.

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Grenzen werden immer auch körperlich erlebt. In der frühen entwicklung gestalten sich Körpergrenzen über den Kontakt zwischen Mutter und Kind. Schon hier können Mütter oder nahe Bezugspersonen viel dafür tun, dass das Kind im Laufe seiner Entwicklung über das Gefühl von Grenze verfügt.

Überstimulierung zeigen bereits Säuglinge sehr deutlich durch das Abwenden des Kopfes oder des Körpers an. Die Regulation von “zuviel” ,”zu wenig” und Stimmigkeit ist in unserer Biologie angelegt. Erfahren wir als Kind feinfühlige Betreuung entwickeln wir ein Gespür dafür, das uns ein Leben lang begleiten wird und eine gute Basis für unsere Gesundheit und unsere Beziehungsqualitäten darstellt.

Werden die frühen Grenzen im Kontakt nicht geachtet, fällt es uns im späteren Verlauf unserer Entwicklung schwerer die eigenen Grenzen überhaupt wahrzunehmen und damit auch zu setzen. Wir entwicklen eine Tendenz dazu später auch selbst über unsere Grenzen zu gehen.

Deshalb biete ich in meinem Coaching und in meinen Fortbildungen immer wahrnehmungsorientierte Bewegungssequenzen an. Hierbei geht es darum wieder mehr ins Spüren zu kommen, in den Kontakt mit den Signalen des Körpers. Es geht um die Wahrnehmung des Körperinnenraumes.

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Feine Anspannungen, eine flachere Atmung oder Druckgefühle im Hals oder im Bauch machen uns aufmerksam. Achtung, nachspüren.

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Gute Körperwahrnehmungsübungen für die eigenen Grenzen sind der Kontakt zum Boden, das wahrnehmende Abklopfen des Körpers, ebenso wie das Spüren des intimen und persönlichen Raumes.

Mein Vorschlag ist, lassen sie uns weniger darüber reden, wie wir Grenzen formulieren, lassen Sie uns wieder in die Körperwahrnehmung kommen. Der Körper ist ihr “Reich, ihr Zuhause”. Von hier aus bestimmen Sie ihre Grenzen.

Und eine Grenze zu setzen heißt nichts anderes als der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und dieser ein Ja zu schenken.

Hier ist meine Grenze, wenn ich darüber gehe ist es nicht mehr gut für mich. So ist es, in diesem Moment. Und morgen ist es vielleicht wieder anders, oder in einer halben Stunde.

Die Achtsamkeit ist ausgesprochen hilfreich, wenn es um das Wiederbeleben der eigenen Grenzen geht. Lädt sie uns doch dazu ein, wahrzunehmen was ist, ohne es zu bewerten.

 

Entspann dich mal! Komm runter!

Entspann dich doch mal! Lass doch mal los!

Vielleicht kennen Sie diese oftmals wirklich gut gemeinten Ratschläge aus Ihrem privaten Umfeld. Was aber, wenn es nicht möglich ist?

Entspannung ist das Zauberwort mit dem wir aus dem Stress herausfinden sollen. Stress, gleich welcher Art führt uns immer in die Anspannung, weil er uns in unsere Schutzmechanismen führt. Sprich er bereitet uns auf mögliche Kampf- oder Fluchtreaktionen vor. Und dazu ist die Muskelanspannung wesentliche Voraussetzung.

Der Körper arbeitet also für uns, nicht gegen uns. Denn er antwortet nur auf eine als “gefährlich” wahrgenommene Situation. Unser Nervensstem ist es, das auch aufgrund früherer Erlebnisse entscheidet, was für uns gefährlich und was für uns sicher ist.

Leider lösen ganz viele unserer Alltagsreize unsere Stressreaktion aus und führen uns in die Anspannung. Und Anspannung fühlt sich nicht angenehm an. Wir tragen eine “innere Ladung” mit uns herum.

Bleiben wir über längere Zeit in der Stressreaktion, wie oftmals mitten in einer Krise, bei zu hoher Arbeitsbelastung oder inneren hohen Erwartungen an sich selbst, nehmen wir den Grad unser Anspannung nicht mehr wahr. Wir bemerken langfristig dann körperliche Symptome, wie etwas Verspannungen, Kopfschmerzen oder Rückenprobleme.

Was hilft?

Wenn Sie in hoher Anspannung sind ist es für Sie fast unmöglich von hier auf jetzt in die Entspannung zu kommen. Ihr Nervensystem lässt das nicht zu, da es weiterhin auf Gefahr eingestellt ist. Das erstmal wahrzunehmen ist wesentlich und oftmals schon eine kleine Entlastung.

Ich z. B. bin im Zahnarztstuhl, aufgrund schlechter Erfahrungen, immer erstmal in absoluter Hochspannung. Ich werde fast starr vor Angst. Dementsprechend bleibt mir der Atem fast aus. Mittlerweile habe ich Möglichkeiten zu überprüfen, ob die Meldung -höchste Gefahrenstufe- von meinem Nervensystem der Realität entspricht.

In der Regel gelingt es mir mein Nervensystem zu beruhigen(Selbstregulation). Ich rede ihm und mir gut zu. Lausche auf die freundlichen Worte des Zahnarztes und nehme den warmen Stimmklang wahr. Gleichzeitig visualisiere ich mir meinen Lieblingsbaum auf einer großen Wiese. Mein Nervensystem hält diese visualisierte Situation für sicher, reagiert darauf und fährt meine Anspannung langsam herunter.

Das war, Sie können es sich denken, ein Übungsweg.

Sie können versuchen Kontakt zu Ihrem Körper aufzunehmen und diesem Sicherheitssignale anzubieten:

  • Nehmen Sie zuerst den Boden unter Ihren Füßen wahr. Gehen sie dabei in Bewegung und versuchen sie mal mit den Füßen Schlittschuh zu laufen. Oder Sie machen Schritte und lassen dabei die Füße auf dem Boden. Sie heben sie nicht ab. Wie damals als Kind, als sie Lokomotive gespielt haben.

 

  • Klopfen Sie mit der Hand Ihren Körper ab. Fangen Sie bei den Armen an, gehen sie vorsichtig über die Seiten bis zu den Beinen und Füßen hinunter. Machen Sie zwei bis drei Durchgänge. Danach spüren Sie nach. Hat sich im Körper etwas verändert? Sind Sie vielleicht etwas präsenter geworden.

 

  • Oder Sie stehen mit beiden Füßen auf dem Boden und Schütteln sich langsam aus, in dem sie die Fersen immer wieder etwas, mit weichen Knien, heben und senken.

 

Erstmal geht es nicht darum etwas zu bewirken, sondern wieder etwas empfänglicher für die Sprache des Körpers zu werden. Was tut gut? Wobei fühlt sich mein Körper wohl? Was mag er nicht?

Das allerwichtigste, was ich Ihnen in diesem Beitrag mitgeben möchte ist – Es geht nicht um die Entspannung, die fehlt. Vielmehr geht es um das “Gefühl von Sicherheit”, dass unser Nervensystem braucht, um uns von ganz allein in die Entspannung zu führen.

Manchmal sind die kleinen, unangestrengten Körperübungen, Signale der Sicherheit. Und manchmal braucht es auch andere Signale. Das lässt sich nur individuelle herausfinden.

Grundsätzlich lässt sich sagen, wäre es für uns alle hilfreicher nicht der Entspannung nachzulaufen sondern die Gefühle von Sicherheit zu verstärken.

Der Körper ist uns dabei oftmals ein hilfreicher Begleiter, wenn wir auf die Suche nach unserer gefühlten Sicherheit gehen.

 

 

 

Sorgenfrei Raum

Viele Einrichtungen haben Mitarbeiterräume. In den Schulen gibt es das sogenannte Lehrerzimmer. Viele dieser Räume sind schon ganz gemütlich gestaltet. Und es gibt leckeren Kaffee aus der Kaffeemaschine für das kleine Zwischendurch.

Oftmals sind es aber auch die Räume, die gerne und gut frequentiert werden, um sich auszutauschen, über das ein oder andere Problem und berufliche Anliegen zu sprechen. Gut, dass es diese Räume gibt.

Oft ist es hier sehr laut und wuselig. Oft hat man gerade hier keine Chance wirklich zur Ruhe zu kommen.

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Und genau für dieses Bedürfnis nach Ruhe möchte ich Ihnen einen neuen Raum vorstellen, den “Sorgenfrei Raum”.

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Ein Raum, an dem Mitarbeiter sich im Zwischendurch, in der kleinen oder großen Pause aufhalten können und an dem nicht über Arbeit, nicht über Schüler, Kollegen oder Klienten geredet wird. Der Sorgefrei Raum ist ein Raum zum Aufatmen, zum Auftanken, mitten im Arbeitsalltag.

Das ist es, was wir brauchen. Die kleinen, feinen Pausen zwischendurch, die uns ein wirkliches Innehalten ermöglichen. Die uns den Blick nach Innen ermöglichen.

Und nicht nur das, sondern auch das tiefe Wissen darum, dass wir die Qualität unserer Arbeit und die Qualität unserer Gesundheit nicht nur über neue Methoden, sondern vor allem durch mehr Wohlbefinden und besserer Stressbewältigung verändern können.

Ich höre sie schon, die vielen Einwände: “Das ist nicht möglich. Da haben wir keinen Raum für. Wie soll das gehen.”

Bleiben wir doch erstmal bei der Vorstellung und bei der inneren.

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Ziele sind gut, wenn sie vorstellbar und erreichbar sind.

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Ein Sorgefrei Raum könnte gestaltet werden mit einem schönen Sessel, in einer hübschen Ecke am Fenster, zum Hinausblicken. Es dürfte einen schönen inspirierenden Sprüchekalender, einen ausgewählen Duft, erfrischende Fotos von Urlaubsorten geben oder eben nur die Einladung zur Stille. Einfach mal nichts – für das kleine Zwischendurch.

Die Neurobiologie als auch die Neuroimmunologie zeigt uns sehr genau auf, was wir Menschen brauchen um gesund, kooperativ und leistungsstark zu bleiben. Und es sind vor allem die Auszeiten mitten im Arbeitsalltag.

Das kurze aber wirksame Ankommen bei sich selbst und damit eine Möglichkeit mit dem Nervensystem vom Sympatikus auf den Vagus, den “Ruhenerv” zu wechseln.

Und es wird Zeit, Arbeitsplätze dementsprechend menschlich zu gestalten. Wir brauchen Orte, an denen wir immer wieder zu unserer Lebenskraft zurückfinden und an denen wir wieder zu unseren besten Qualitäten zurückfinden können.

Von da aus geht´s los. Von da aus geht´s weiter.

 

 

Haben wir auf der Arbeit eine Seele?

Schnell, besser heute als morgen. Noch mehr Arbeit in noch kürzerer Zeit. noch weniger Mitarbeiter. Oftmals wird es richtig eng.

Angespannt, gestresst und oftmals unruhig arbeiten wir so vor uns hin, leben wir unser Leben. Und gönnen uns immer weniger Zeit.

Es gibt kaum Momente, in denen nichts geschieht, in denen Ruhe eintritt, in denen wir uns Raum lassen, um einfach mal nur zu atmen. Wir gönnen uns diese Zeiten kaum außerhalb der Arbeitswelt, aber schon gar nicht inmitten unserer Arbeitswelt.

In meinen Fortbildungen für Pädagogen höre ich oft: Wie soll das gehen? Wo soll ich diese Zeit hernehmen? Ich kann mir einfach keine kleine Auszeit gönnen.

Aber wie soll das gehen, gerade in sozialen, medizinischen oder pädagogischen Kontexten. Wie wollen wir wirklich mit Herz und Seele da sein für andere Menschen, wenn wir uns selbst abhanden kommen. Wie wollen wir ohne innere Anwesenheit heilsam oder förderlich für andere Menschen sein?

Aber das Leben zeigt, es geht. Irgendwie und mit immer größeren Reibungsverlusten.

Wenn wir unserer Seele nicht genügend Zeit lassen, macht sie sich oftmals bemerkbar. Häufig schickt sie den Körper voran. Hier ein Ziehen, da ein Schmerz. Der Rücken, der Kopf oder auch seit langem schon der Magen.

Hören wir hin. Hören wir uns selber zu. Nehmen wir wieder Kontakt zu unserem Inneren auf.

 

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Die Seele muss verdauen können. Dazu brauchen wir ungestörte Zeiten.

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Nicht erst nach der Arbeit, sondern mitten drin. Immer mal zwischendurch. Das ist gerade in den oben genannten Arbeitsbereichen wichtig, weil dort oftmals sehr resonanzfähige Menschen arbeiten. Menschen, die ganz viel Schicksal von den ihnen anvertrauten Menschen mitbekommen. Das will verarbeitet und wirklich verdaut werden.

Schaffen wir Arbeitswelten, die uns Zeiträume lassen, die uns Atemräume lassen.

Schaffen wir auch innere Instanzen in uns, die uns wohlwollender zusprechen:

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“Mach doch langsam. Lass dir Zeit. Du darfst die Dinge ruhiger angehen. Werde ruhiger. Werde wesentlicher.”

(M. Titschinger, Auf die Seele hören)

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Schon beim Lesen der Sätze bemerke ich, wie sich mein Körper entspannt und meine Seele sich im Hintergrund die Hände vor Freude reibt.

So könnte es gehen. So könnte es gut gehen. Lassen Sie uns unsere inneren und unsere äußeren Arbeitswelten neu gestalten.

Passender. Gesünder. Menschlicher.

 

 

 

Sicherheit in uns finden

“Earth will be safe, when we feel in us enough safety.” Thich Nhat Hanh

Das ist das Zitat, das mir begegnet ist und mich zum Schreiben des neuen Beitrages bewogen hat.

In meinen Worten würde ich sagen, es beginnt immer mit uns. Mit jedem Einzelnen. Wir können auf die anderen mit dem Zeigefinger zeigen, oder wir nehmen es zurück zu uns und beginnen für Ruhe, Verbindung und Frieden in uns selbst zu sorgen. Und stecken andere sozusagen mit diesem Frieden an.

Es begeistert mich sehr, dass die Achtsamkeitslehren, hier durch das Zitat von Thich Nhat Hanh, schon immer auf das hingewiesen haben, was uns heute die wissenschaftlichen Untersuchungen in den Neurowissenschaften belegen. Unsere innere Biologie ist auf Mitgefühl und Kooperation angelegt.

Mir ist in den letzten Jahren, seit der Begegnung mit der Polyvagal Theorie des Neurowissenschaftlers Prof.Dr. Stephen Porges, “das Gefühl von Sicherheit” im Miteinander immer wesentlicher geworden. Stephen Porges schreibt dazu:

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“Wenn du die Welt verbessern möchtest, schenke den Menschen ein Gefühl von Sicherheit.”

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Jetzt ist die berechtigte Frage, wie machen wir das?

 

Gesundheitselixier Beziehung

Wenn es um Gesundheit geht beschäftigen wir uns nach wie vor mit den Themen Ernährung und Fitness. Leider lassen wir einen übergeordneten Schlüsselfaktor,  der über die gesamte Lebensspanne hinweg über Gesundheit und Krankheit entscheidet, außer acht:

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Die Beziehungen zwischen Menschen und die Art und Weise wie zwischenmenschliche Kontakte gelebt und erlebt werden.

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Was mühen wir uns ab, wenn es um unsere Fitness geht, wenn es um Muskelaufbau und Kardio-Training geht. Was lassen wir uns nicht alles einfallen, um uns noch gesünder zu ernähren.

Seien wir mal ehrlich, wenn es um die Frage geht, welche Qualitäten es bräuchte, um gelingende Beziehungen zu leben oder besonders in beruflichen Kontexten eine gesunde Beziehungskultur aufzubauen, sind wir doch ziemlich unterbesetzt.

Wir können unsere Herzen nicht nur durch Kardio Training stärken, sondern auch durch die Bereitschaft zur gemeinsamen Freude, zum Berührt- und Bewegt werden. Eine Art inneres Kardio Training. Was bewegt mich innerlich? Was öffnet mein Herz? Und wie schenke ich mir innere Wärme?

Die Beziehung als Schlüsselfaktor für Gesundheit ist allerdings nicht zu verachten:

EPIDEMIOLOGISCHE STUDIEN LASSEN DAVON AUSGEHEN, dass die Einbettung in familiäre, soziokulturelle und spirituell-religiöse Kontexte die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu 20 Jahre ansteigen lässt. Sogenannte »Caregiver«, die jahrelang unter emotional belastenden Bedingungen einen chronisch schwer kranken Angehörigen pflegen, weisen einschlägigen Studien zufolge eine bis zu 20 Jahre geringere Lebenserwartung auf.”

aus www.psychoneuroimmunologiekongress.at / 3. PNI Kongress – Psychoneuroimmunolgie im Lauf des Lebens

Die Studien belegen, hier muss ein gewichtiger Faktor am Werk sein, wenn es um Antworten auf die Frage geht, wovon gesundes Leben abhängt. In den vielen unterschiedlichen Untersuchungen wird immer deutlicher, dass Beziehungen wirken. Dass menschliche Interaktionen nicht nur psychische, sondern auch physiologische Reaktionen auslösen.

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In meinen Fortbildungen, sage ich nach einem wertschätzenden Miteinander oft zum Spaß:

“Zack, das war Medizin.”

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So schnell und so einfach ist es denn doch nicht. Aber wir sind soweit, dass wir gute, unterstützende und wertschätzende Beziehungen als wirkliches Gesundheitselixier bezeichnen dürfen.

Ich habe lange Jahre im Bereich der Beratung von sexualisierter Gewalt gearbeitet. Und wir wissen mittlerweile alle, dass Gewalt krank macht. Jetzt ist es an der Zeit, ganz genau zu schauen, was im Miteinander gesund macht.

Welche Qualitäten müssen Beziehungsangebote, auch im beruflichen Kontext haben, um unser Nerven und auch unser Immunsystem zu stärken?

Und lassen Sie uns den Blick weiten und schauen, wovon beide Seiten, in pädagogischen und psychosozialen oder medizinischen Kontexten, provitieren.

Wenn wir helfende Arbeit derart beschleunigen, wie wir es derzeit tun, müssen wir uns über Erschöpfungsphänomene nicht wundern. Schauen wir uns an, was an Beziehung wirkt, so ist es die gelingene Interaktion, das – Gesehen, Gehört und Gespürt werden. Und das gilt für beide Seiten. Für Hilfesuchende und für Helfer, Berater oder Pädagogen.

Helfer, Pfleger, Ärzte und Pädagogen sind in der Regel Menschen, die gerne geben. Was Sie neben einer guten Resilienz brauchen sind Arbeitsstrukturen, die ihnen Zeit lassen für menschliche Interaktionen. Zeit, um aus dem Funktionsmodus aussteigen zu können und offen  für Menschliches zu sein.

Zeit, um das Miteinander wirklich wahrzunehmen. Zeit für Gespräche. Zeit um feinfühlig zu bleiben. Und auch Zeit um die Dankbarkeit zu kosten. Das ist es, was helfende Arbeit auch ausmacht. Das ist das Gesundheitselixier Beziehung für helfende Berufsgruppen.

Jetzt, inmitten der Pandemie ist vieles von dem nicht möglich. Aber Corona zeigt uns, wie nichts anderes, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Mein Atem ist dein Atem.

Darüberhinaus weist uns Corona auf unsere Schwachstellen. Die Pandemie zeigt uns unerbittlich, wo wir die Wege der Menschlichkeit verlassen, wo wir Menschen, Tiere und Natur ausbeuten und wie hoch der Preis dafür ist.

Was wenn wir nicht kostenorientiert, sondern beziehungsorientiert denken, fühlen und planen würden? Vermutlich würden die Kosten in dem einen Teil des Gesundheitswesens steigen und seien Sie sich gewiss, es gebe im Bereich der Erschöpfung, der Depressionen, der Herz-Kreislauf Erkrankungen deutliche Einsparungen.

All das ist der Hintergrund meiner Angebote. All das ist der Hintergund von ” beziehungs-weise-gesund”. Ich finde, wir Menschen haben ein Recht auf dieses wertvolle Wissen zum Thema Gesundheit.

Schenken Sie anderen Menschen Antworten.

Es ist mir ein Herzensanliegen über dieses Thema zu schreiben, weil es mich auch selbst immer mal wieder betrifft.

Kennen Sie dieses Gefühl nicht beantwortet zu werden? Es taucht in beruflichen Kontexten ebenso gerne auf, wie in privaten. Sie stellen eine Frage oder treten in Verhandlungen und bekommen von Ihrem Gegenüber keine Antwort.

Mir ist es im letzten Jahr im Kontakt mit einer Institution begegnet, der ich meine Fortbildungen angeboten habe. Es fanden freundliche und interessierte Gespräche statt, mit der Absprache sich zu melden. Es kam keine Rückmeldung. Auch auf Nachfrage durch eine Email gab es keine Antwort.

Was löst ein solches Unbeantwortet bleiben aus? Zunächst mal Irritation, dann Unverständnis. Und ob wir wollen oder nicht, auch Verunsicherung.

Für mich gilt, eine Antwort die schmerzhaft ist, ist besser als keine.

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Menschen zu Beantworten ist eine Menschenpflicht. Warum?

Weil wir zutiefst auf Antworten angewiesen sind.

Von Anfang an.

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Auch in Liebesbeziehungen gibt es diese Situationen, dass der Eine lieber nach hinten ausweicht, als stehen zu bleiben und aufrichtiges Gegenüber zu sein. Nicht beantwortet zu werden, schmerzt mehr als eine schmerzliche Antwort.

Manchmal gibt es tatsächlich noch keine eindeutige Antwort oder man ist nicht in der richtigen Verfassung für eine passende Antwort. Auch dann gibt es wertschätzende Möglichkeiten:

“Es tut mir leid, jetzt gerade kann ich nicht. Können wir morgen nochmal sprechen. Gib mir ein wenig Zeit.”

Und schon kann mein Gegenüber spüren, dass ich es ernst nehme und wertschätze. Probieren Sie es mal aus.

Das Gleiche gilt auch in beruflichen Kontexten. Wir wissen heute, dass arbeitslose Menschen vielfach unter Stresssymptomen leiden. Sie leben mit vielen Unsicherheiten, die zu Stressreaktionen führen. Und sie leben mit dem tiefen Wunsch einen Arbeitsplatz zu finden. Wieder dazuzugehören. Sie bieten sich an. Sie versenden Bewerbungen, zeigen sich und packen aus.

Die Erfahrung zeigt, viele dieser mit Hoffnungen gefüllten Bewerbungen werden gar nicht beantwortet. Die Menschen wollen Begegnungen und Rückmeldungen und bleiben vielfach in der Leere stehen. Das tut nicht gut. Um nicht zu sagen, es kann krank machen, weil es kränkt.

Nicht beantwortet zu werden geht uns Menschen an den Wert, an die Würde und unter die Haut. Es ist würdelos, um eine Antwort zu bitten und keine zu erhalten.

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Und es sind zutiefst menschliche Gefühle. Wir Menschen brauchen uns. Machen wir uns nichts vor.

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Wir brauchen es gesehen und gehört zu werden. Und wenn wir eine Frage, in den Begegnungsraum stellen, haben wir alle ein Recht auf eine Antwort.

Für all diejenigen von uns, denen es schwer fällt unangenehme Antworten zu geben ist dieser Blogbeitrag. Und natürlich auch für all diejenigen, die in der Warteschleife sitzen geblieben sind.

Fassen wir uns ein Herz, formulieren wir aufrichtige Antworten wohlwollend und schenken wir unseren Mitmenschen die Erfahrung eines wertschätzenden Gegenübers.

Und andersherum: Wenn Sie auf eine Antwort warten, seien Sie mutig und sprechen Sie an, wie es Ihnen, mit dem Unbeantwortet sein, geht.

Muten wir uns zu. Es ist Beziehungsarbeit, an der wir wachsen.

Alles beginnt mit dem Körper

Ich bereite gerade eine Fortbildung zum Thema Achtsamkeit vor und überlege mir, was mir das Wichtigste dabei ist. Was möchte ich den Teilnehmerinnen unbedingt mitgeben?

Und es ist dieser Satz, den Sie in der Überschrift lesen: “Alles beginnt mit dem Körper.”

Wenn Sie in die Achtsamkeit einsteigen möchten, haben Sie drei Möglichkeiten. Sie können es über den Geist, die Emotionen oder den Körper tun.

Da der Körper, “die Bühne” unserer Gedanken und Emotionen ist, ist der Einstieg über den Körper vielfach der einfachste. Auf dieser Bühne lassen sich all die Dinge im Hintergrund, all das was Sie denken und fühlen, wahrnehmen.

Der Körper reagiert auf unsere Gedanken und auf unsere Emotionen. Er bildet sie ab. Durch den Grad an Spannung. Durch die Atemtiefe. Durch Enge- oder Weitegefühle. Durch Pulsieren oder Kribbeln. Durch Wärme- oder Kältegefühle. Oder durch Leeregefühle.

Der Beginn Ihrer achtsamen Haltung könnte die Sensibilisierung für Ihre Körperwahrnehmung sein. Ein spannendes Unterfangen. Es gibt soviel wahrzunehmen. Sie werden staunen.

Der Körper ist Ihr  ganz eigenes Hoheitsgebiet. Hier spüren Sie, was sich wie anspürt, was sich gut und was sich nicht gut anspürt. Hier ist es unzulässig von Fremden Deutungen oder Bewertungen vorzunehmen. Es ist Ihr Hoheitsgebiet.

Machen Sie es sich wieder zu eigen. Erobern Sie eigenes Land. Machen Sie sich auf wahrzunehmen. Lauschen und spüren Sie.

Versuchen Sie mal, sich im Laufe eines Tages immer mal wieder auf Ihren Körper zu besinnen.

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Eine gute Möglichkeit ist es,

einen kurzen Moment langsamer, bewusster zu gehen. Jeden Ihrer Schritte wahrzunehmen. Flure zum Beispiel eignen sich hervorragend dafür. Wiesen und Waldwege übrigens auch.

Schritt für Schritt. Hier bin ich. Jetzt.

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Der nächste Schritt wäre es, für Ihr eigenes Hoheitsgebiet zu sorgen. Versorgen es mit genügend Wasser, mit einem tiefen Durchatmen, mit einer Bewegungs- oder Entspannungsübung oder mit dem, was es sonst noch braucht.

Wenn wir vom Kopf her leben und nur dem vertrauen, was wir denken, verlieren wir unseren Boden. Der Kopf gaukelt uns vor, alles sei möglich. Ist es aber nicht. Wir sind begrenzt.

Wir können tausend Dinge mal eben erledigen, aber wir sind dann nicht mehr mit uns verbunden. Es macht uns nicht zufrieden und manchmal macht es uns auch krank.

Achtsame Körperwahrnehmung braucht nur eine Entscheidung. Ihre.

Rasen Sie noch oder machen Sie auch mal Rast?

Hier ein Ziehen, dort ein Druck und dann funktioniert das Knie auch nicht so wie es soll. Und am Wochenende dieses Gefühl von Erschöpfung, das Unwohlsein, die Kopfschmerzen. Völlig energielos.

Kennen Sie das?

Schnell kommen wir dann zu dem Schluss, unser eigener Körper arbeitet gegen uns.

Was, wenn es ganz anders wäre. Was, wenn der Körper mit aller Kraft versucht mit uns gemeinsame Sache zu machen. Gunther Schmidt, der Leiter der bekannten Systelios Klinik und anerkannter Hypnotherapeut kommt zu einem anderen Schluss. Er sieht die körperlichen und oftmals auch die psychischen Symptome als kleine oder große Hinweisschilder in eine gesündere Richtung.

Und diese Ansicht teile ich. Unser Körper arbeitet für uns. Er gibt sein Bestes. Und dass gelingt im besonders gut, wenn wir ihm im Tagesverlauf mal unsere Aufmerksamkeit schenken. Uns mit ihm verbinden und gemeinsame Sache mit ihm machen.

Um es anders zu formulieren: Der Körper liebt es, wenn wir präsent sind. Wenn wir uns ihm zuwenden. Wahrnehmen, was gerade ist und was er braucht. Er liebt es, wenn wir unser Yoga- oder unsere Atemübungen in wohlwollender Aufmerksamkeit mit ihm durchführen.

Und wenn wir den Leistungsgedanken einfach mal außen vor lassen. Wenn wir mal nicht nur mit ihm kommunizieren, um  irgendetwas zu trainieren oder zu verbessern. Erlauben wir uns doch mal, dass sich Genuss einstellen darf. Genuss auf körperlicher Ebene, der nichts mit Essen zu tun hat. Der uns aber auf einer tiefen seelischen Ebene wohlig satt werden lässt.

Es ist ein solches Geschenk in Verbindung mit dem Körper zu leben. Wir beginnen wieder zu Spüren und zu Fühlen. Die Welt wird bunter, die Schmerzen an den ein oder anderen Stellen vielleicht weniger.

Aber das war noch nicht alles. Sind wir in Verbindung mit unserem Körper und nehmen die Arbeit unseres Nervensystems wahr, bekommen wir viele Gestaltungsmöglichkeiten. Wir beginnen über die Signale unseres Nervensystems zu spüren, wann Überlastung beginnt und wie lange sie andauert.

Und nicht nur das. Wir bekommen Möglichkeiten – Pause zu machen, das System runter zu fahren. Eine Atemübung, eine Yogaübung durchzuführen, in die Regeneration zu kommen, aufzuatmen und aufzutanken. Und dann können wir mit aufgefülltem Tank weiter machen.

Einige von uns sind zu gnadenlosen Rasern geworden, die selbst mit leerem Tank noch 220 fahren. Die Warnleuchte hat schon vor etlichen Tagen, Monaten erst grün, dann rot angezeigt. Ein Auto bleibt einfach stehen, unser Körper erstmal nicht.

Er leistet weiter, obwohl sein Tank leer ist, obwohl seine Energie verbraucht ist. Lange Zeit. Dann kommen die ersten Signale. Oftmals erst leise, dann deutlicher. Aber immer in unserem Sinne. Für uns, nicht gegen uns.

Denn seine wichtigste Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern.

 

 

Den Morgen lieben lernen

Spätestens seit einer beeindruckenden Krise im Alter von etwas über 40 Jahren habe ich den Morgen lieben gelernt.

Wenn ich heute in der Früh aufwache, weiß ich, dass mir dieser Morgen geschenkt ist. Weiß ich, dass es kein Recht auf einen neuen Morgen gibt.

Dieser Morgen ist ein Geschenk. Alles ist noch frisch und neu. Das Draußen erwacht gerade erst. Viele Menschen schlafen vielleicht noch. Es liegt so eine ganz besondere Stimmung in den Morgenstunden. Die möchte ich mir nicht entgehen lassen, weil sie mich und meine Seele nährt, meine Gedanken beruhigt und meinen Körper stärkt.

Ich werde wach und beginne damit, mich und meinen Zustand erstmal wahrzunehmen. Meinem Atem zu lauschen, der wie gewohnt ein und ausströmt. Ich beginne Einzug zu halten in meinen Körper, anzukommen in seinem Reich. Wenn ich so Einzug halte und bemerke, ich bin ohne Schmerzen oder einem Gefühl von Unwohlsein aufgewacht, weiß ich auch dann – Ein Geschenk.

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Jeder Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Dietrich Bonhoeffer

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Wenn das Licht in das Zimmer strömt und so wie heute die Sonne scheint, gönne ich mir Zeit. Bleibe liegen und schau in den Himmel, beobachte die Vögel, lausche Frühlingsgeräuschen.

Für diesen Beginn des Tages stelle ich mir meinen Wecker, damit ich genügend Zeit vor der Arbeit habe. So aufgewacht nehme ich eine Stärkung mit in meinen Tag.