Sicherheit in uns finden

“Earth will be safe, when we feel in us enough safety.” Thich Nhat Hanh

Das ist das Zitat, das mir begegnet ist und mich zum Schreiben des neuen Beitrages bewogen hat.

In meinen Worten würde ich sagen, es beginnt immer mit uns. Mit jedem Einzelnen. Wir können auf die anderen mit dem Zeigefinger zeigen, oder wir nehmen es zurück zu uns und beginnen für Ruhe, Verbindung und Frieden in uns selbst zu sorgen. Und stecken andere sozusagen mit diesem Frieden an.

Es begeistert mich sehr, dass die Achtsamkeitslehren, hier durch das Zitat von Thich Nhat Hanh, schon immer auf das hingewiesen haben, was uns heute die wissenschaftlichen Untersuchungen in den Neurowissenschaften belegen. Unsere innere Biologie ist auf Mitgefühl und Kooperation angelegt.

Mir ist in den letzten Jahren, seit der Begegnung mit der Polyvagal Theorie des Neurowissenschaftlers Prof.Dr. Stephen Porges, “das Gefühl von Sicherheit” im Miteinander immer wesentlicher geworden. Stephen Porges schreibt dazu:

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“Wenn du die Welt verbessern möchtest, schenke den Menschen ein Gefühl von Sicherheit.”

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Jetzt ist die berechtigte Frage, wie machen wir das?

 

Gesundheitselixier Beziehung

Wenn es um Gesundheit geht beschäftigen wir uns nach wie vor mit den Themen Ernährung und Fitness. Leider lassen wir einen übergeordneten Schlüsselfaktor,  der über die gesamte Lebensspanne hinweg über Gesundheit und Krankheit entscheidet, außer acht:

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Die Beziehungen zwischen Menschen und die Art und Weise wie zwischenmenschliche Kontakte gelebt und erlebt werden.

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Was mühen wir uns ab, wenn es um unsere Fitness geht, wenn es um Muskelaufbau und Kardio-Training geht. Was lassen wir uns nicht alles einfallen, um uns noch gesünder zu ernähren.

Seien wir mal ehrlich, wenn es um die Frage geht, welche Qualitäten es bräuchte, um gelingende Beziehungen zu leben oder besonders in beruflichen Kontexten eine gesunde Beziehungskultur aufzubauen, sind wir doch ziemlich unterbesetzt.

Wir können unsere Herzen nicht nur durch Kardio Training stärken, sondern auch durch die Bereitschaft zur gemeinsamen Freude, zum Berührt- und Bewegt werden. Eine Art inneres Kardio Training. Was bewegt mich innerlich? Was öffnet mein Herz? Und wie schenke ich mir innere Wärme?

Die Beziehung als Schlüsselfaktor für Gesundheit ist allerdings nicht zu verachten:

EPIDEMIOLOGISCHE STUDIEN LASSEN DAVON AUSGEHEN, dass die Einbettung in familiäre, soziokulturelle und spirituell-religiöse Kontexte die durchschnittliche Lebenserwartung um bis zu 20 Jahre ansteigen lässt. Sogenannte »Caregiver«, die jahrelang unter emotional belastenden Bedingungen einen chronisch schwer kranken Angehörigen pflegen, weisen einschlägigen Studien zufolge eine bis zu 20 Jahre geringere Lebenserwartung auf.”

aus www.psychoneuroimmunologiekongress.at / 3. PNI Kongress – Psychoneuroimmunolgie im Lauf des Lebens

Die Studien belegen, hier muss ein gewichtiger Faktor am Werk sein, wenn es um Antworten auf die Frage geht, wovon gesundes Leben abhängt. In den vielen unterschiedlichen Untersuchungen wird immer deutlicher, dass Beziehungen wirken. Dass menschliche Interaktionen nicht nur psychische, sondern auch physiologische Reaktionen auslösen.

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In meinen Fortbildungen, sage ich nach einem wertschätzenden Miteinander oft zum Spaß:

“Zack, das war Medizin.”

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So schnell und so einfach ist es denn doch nicht. Aber wir sind soweit, dass wir gute, unterstützende und wertschätzende Beziehungen als wirkliches Gesundheitselixier bezeichnen dürfen.

Ich habe lange Jahre im Bereich der Beratung von sexualisierter Gewalt gearbeitet. Und wir wissen mittlerweile alle, dass Gewalt krank macht. Jetzt ist es an der Zeit, ganz genau zu schauen, was im Miteinander gesund macht.

Welche Qualitäten müssen Beziehungsangebote, auch im beruflichen Kontext haben, um unser Nerven und auch unser Immunsystem zu stärken?

Und lassen Sie uns den Blick weiten und schauen, wovon beide Seiten, in pädagogischen und psychosozialen oder medizinischen Kontexten, provitieren.

Wenn wir helfende Arbeit derart beschleunigen, wie wir es derzeit tun, müssen wir uns über Erschöpfungsphänomene nicht wundern. Schauen wir uns an, was an Beziehung wirkt, so ist es die gelingene Interaktion, das – Gesehen, Gehört und Gespürt werden. Und das gilt für beide Seiten. Für Hilfesuchende und für Helfer, Berater oder Pädagogen.

Helfer, Pfleger, Ärzte und Pädagogen sind in der Regel Menschen, die gerne geben. Was Sie neben einer guten Resilienz brauchen sind Arbeitsstrukturen, die ihnen Zeit lassen für menschliche Interaktionen. Zeit, um aus dem Funktionsmodus aussteigen zu können und offen  für Menschliches zu sein.

Zeit, um das Miteinander wirklich wahrzunehmen. Zeit für Gespräche. Zeit um feinfühlig zu bleiben. Und auch Zeit um die Dankbarkeit zu kosten. Das ist es, was helfende Arbeit auch ausmacht. Das ist das Gesundheitselixier Beziehung für helfende Berufsgruppen.

Jetzt, inmitten der Pandemie ist vieles von dem nicht möglich. Aber Corona zeigt uns, wie nichts anderes, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Mein Atem ist dein Atem.

Darüberhinaus weist uns Corona auf unsere Schwachstellen. Die Pandemie zeigt uns unerbittlich, wo wir die Wege der Menschlichkeit verlassen, wo wir Menschen, Tiere und Natur ausbeuten und wie hoch der Preis dafür ist.

Was wenn wir nicht kostenorientiert, sondern beziehungsorientiert denken, fühlen und planen würden? Vermutlich würden die Kosten in dem einen Teil des Gesundheitswesens steigen und seien Sie sich gewiss, es gebe im Bereich der Erschöpfung, der Depressionen, der Herz-Kreislauf Erkrankungen deutliche Einsparungen.

All das ist der Hintergrund meiner Angebote. All das ist der Hintergund von ” beziehungs-weise-gesund”. Ich finde, wir Menschen haben ein Recht auf dieses wertvolle Wissen zum Thema Gesundheit.

Schenken Sie anderen Menschen Antworten.

Es ist mir ein Herzensanliegen über dieses Thema zu schreiben, weil es mich auch selbst immer mal wieder betrifft.

Kennen Sie dieses Gefühl nicht beantwortet zu werden? Es taucht in beruflichen Kontexten ebenso gerne auf, wie in privaten. Sie stellen eine Frage oder treten in Verhandlungen und bekommen von Ihrem Gegenüber keine Antwort.

Mir ist es im letzten Jahr im Kontakt mit einer Institution begegnet, der ich meine Fortbildungen angeboten habe. Es fanden freundliche und interessierte Gespräche statt, mit der Absprache sich zu melden. Es kam keine Rückmeldung. Auch auf Nachfrage durch eine Email gab es keine Antwort.

Was löst ein solches Unbeantwortet bleiben aus? Zunächst mal Irritation, dann Unverständnis. Und ob wir wollen oder nicht, auch Verunsicherung.

Für mich gilt, eine Antwort die schmerzhaft ist, ist besser als keine.

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Menschen zu Beantworten ist eine Menschenpflicht. Warum?

Weil wir zutiefst auf Antworten angewiesen sind.

Von Anfang an.

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Auch in Liebesbeziehungen gibt es diese Situationen, dass der Eine lieber nach hinten ausweicht, als stehen zu bleiben und aufrichtiges Gegenüber zu sein. Nicht beantwortet zu werden, schmerzt mehr als eine schmerzliche Antwort.

Manchmal gibt es tatsächlich noch keine eindeutige Antwort oder man ist nicht in der richtigen Verfassung für eine passende Antwort. Auch dann gibt es wertschätzende Möglichkeiten:

“Es tut mir leid, jetzt gerade kann ich nicht. Können wir morgen nochmal sprechen. Gib mir ein wenig Zeit.”

Und schon kann mein Gegenüber spüren, dass ich es ernst nehme und wertschätze. Probieren Sie es mal aus.

Das Gleiche gilt auch in beruflichen Kontexten. Wir wissen heute, dass arbeitslose Menschen vielfach unter Stresssymptomen leiden. Sie leben mit vielen Unsicherheiten, die zu Stressreaktionen führen. Und sie leben mit dem tiefen Wunsch einen Arbeitsplatz zu finden. Wieder dazuzugehören. Sie bieten sich an. Sie versenden Bewerbungen, zeigen sich und packen aus.

Die Erfahrung zeigt, viele dieser mit Hoffnungen gefüllten Bewerbungen werden gar nicht beantwortet. Die Menschen wollen Begegnungen und Rückmeldungen und bleiben vielfach in der Leere stehen. Das tut nicht gut. Um nicht zu sagen, es kann krank machen, weil es kränkt.

Nicht beantwortet zu werden geht uns Menschen an den Wert, an die Würde und unter die Haut. Es ist würdelos, um eine Antwort zu bitten und keine zu erhalten.

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Und es sind zutiefst menschliche Gefühle. Wir Menschen brauchen uns. Machen wir uns nichts vor.

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Wir brauchen es gesehen und gehört zu werden. Und wenn wir eine Frage, in den Begegnungsraum stellen, haben wir alle ein Recht auf eine Antwort.

Für all diejenigen von uns, denen es schwer fällt unangenehme Antworten zu geben ist dieser Blogbeitrag. Und natürlich auch für all diejenigen, die in der Warteschleife sitzen geblieben sind.

Fassen wir uns ein Herz, formulieren wir aufrichtige Antworten wohlwollend und schenken wir unseren Mitmenschen die Erfahrung eines wertschätzenden Gegenübers.

Und andersherum: Wenn Sie auf eine Antwort warten, seien Sie mutig und sprechen Sie an, wie es Ihnen, mit dem Unbeantwortet sein, geht.

Muten wir uns zu. Es ist Beziehungsarbeit, an der wir wachsen.

Alles beginnt mit dem Körper

Ich bereite gerade eine Fortbildung zum Thema Achtsamkeit vor und überlege mir, was mir das Wichtigste dabei ist. Was möchte ich den Teilnehmerinnen unbedingt mitgeben?

Und es ist dieser Satz, den Sie in der Überschrift lesen: “Alles beginnt mit dem Körper.”

Wenn Sie in die Achtsamkeit einsteigen möchten, haben Sie drei Möglichkeiten. Sie können es über den Geist, die Emotionen oder den Körper tun.

Da der Körper, “die Bühne” unserer Gedanken und Emotionen ist, ist der Einstieg über den Körper vielfach der einfachste. Auf dieser Bühne lassen sich all die Dinge im Hintergrund, all das was Sie denken und fühlen, wahrnehmen.

Der Körper reagiert auf unsere Gedanken und auf unsere Emotionen. Er bildet sie ab. Durch den Grad an Spannung. Durch die Atemtiefe. Durch Enge- oder Weitegefühle. Durch Pulsieren oder Kribbeln. Durch Wärme- oder Kältegefühle. Oder durch Leeregefühle.

Der Beginn Ihrer achtsamen Haltung könnte die Sensibilisierung für Ihre Körperwahrnehmung sein. Ein spannendes Unterfangen. Es gibt soviel wahrzunehmen. Sie werden staunen.

Der Körper ist Ihr  ganz eigenes Hoheitsgebiet. Hier spüren Sie, was sich wie anspürt, was sich gut und was sich nicht gut anspürt. Hier ist es unzulässig von Fremden Deutungen oder Bewertungen vorzunehmen. Es ist Ihr Hoheitsgebiet.

Machen Sie es sich wieder zu eigen. Erobern Sie eigenes Land. Machen Sie sich auf wahrzunehmen. Lauschen und spüren Sie.

Versuchen Sie mal, sich im Laufe eines Tages immer mal wieder auf Ihren Körper zu besinnen.

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Eine gute Möglichkeit ist es,

einen kurzen Moment langsamer, bewusster zu gehen. Jeden Ihrer Schritte wahrzunehmen. Flure zum Beispiel eignen sich hervorragend dafür. Wiesen und Waldwege übrigens auch.

Schritt für Schritt. Hier bin ich. Jetzt.

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Der nächste Schritt wäre es, für Ihr eigenes Hoheitsgebiet zu sorgen. Versorgen es mit genügend Wasser, mit einem tiefen Durchatmen, mit einer Bewegungs- oder Entspannungsübung oder mit dem, was es sonst noch braucht.

Wenn wir vom Kopf her leben und nur dem vertrauen, was wir denken, verlieren wir unseren Boden. Der Kopf gaukelt uns vor, alles sei möglich. Ist es aber nicht. Wir sind begrenzt.

Wir können tausend Dinge mal eben erledigen, aber wir sind dann nicht mehr mit uns verbunden. Es macht uns nicht zufrieden und manchmal macht es uns auch krank.

Achtsame Körperwahrnehmung braucht nur eine Entscheidung. Ihre.

Rasen Sie noch oder machen Sie auch mal Rast?

Hier ein Ziehen, dort ein Druck und dann funktioniert das Knie auch nicht so wie es soll. Und am Wochenende dieses Gefühl von Erschöpfung, das Unwohlsein, die Kopfschmerzen. Völlig energielos.

Kennen Sie das?

Schnell kommen wir dann zu dem Schluss, unser eigener Körper arbeitet gegen uns.

Was, wenn es ganz anders wäre. Was, wenn der Körper mit aller Kraft versucht mit uns gemeinsame Sache zu machen. Gunther Schmidt, der Leiter der bekannten Systelios Klinik und anerkannter Hypnotherapeut kommt zu einem anderen Schluss. Er sieht die körperlichen und oftmals auch die psychischen Symptome als kleine oder große Hinweisschilder in eine gesündere Richtung.

Und diese Ansicht teile ich. Unser Körper arbeitet für uns. Er gibt sein Bestes. Und dass gelingt im besonders gut, wenn wir ihm im Tagesverlauf mal unsere Aufmerksamkeit schenken. Uns mit ihm verbinden und gemeinsame Sache mit ihm machen.

Um es anders zu formulieren: Der Körper liebt es, wenn wir präsent sind. Wenn wir uns ihm zuwenden. Wahrnehmen, was gerade ist und was er braucht. Er liebt es, wenn wir unser Yoga- oder unsere Atemübungen in wohlwollender Aufmerksamkeit mit ihm durchführen.

Und wenn wir den Leistungsgedanken einfach mal außen vor lassen. Wenn wir mal nicht nur mit ihm kommunizieren, um  irgendetwas zu trainieren oder zu verbessern. Erlauben wir uns doch mal, dass sich Genuss einstellen darf. Genuss auf körperlicher Ebene, der nichts mit Essen zu tun hat. Der uns aber auf einer tiefen seelischen Ebene wohlig satt werden lässt.

Es ist ein solches Geschenk in Verbindung mit dem Körper zu leben. Wir beginnen wieder zu Spüren und zu Fühlen. Die Welt wird bunter, die Schmerzen an den ein oder anderen Stellen vielleicht weniger.

Aber das war noch nicht alles. Sind wir in Verbindung mit unserem Körper und nehmen die Arbeit unseres Nervensystems wahr, bekommen wir viele Gestaltungsmöglichkeiten. Wir beginnen über die Signale unseres Nervensystems zu spüren, wann Überlastung beginnt und wie lange sie andauert.

Und nicht nur das. Wir bekommen Möglichkeiten – Pause zu machen, das System runter zu fahren. Eine Atemübung, eine Yogaübung durchzuführen, in die Regeneration zu kommen, aufzuatmen und aufzutanken. Und dann können wir mit aufgefülltem Tank weiter machen.

Einige von uns sind zu gnadenlosen Rasern geworden, die selbst mit leerem Tank noch 220 fahren. Die Warnleuchte hat schon vor etlichen Tagen, Monaten erst grün, dann rot angezeigt. Ein Auto bleibt einfach stehen, unser Körper erstmal nicht.

Er leistet weiter, obwohl sein Tank leer ist, obwohl seine Energie verbraucht ist. Lange Zeit. Dann kommen die ersten Signale. Oftmals erst leise, dann deutlicher. Aber immer in unserem Sinne. Für uns, nicht gegen uns.

Denn seine wichtigste Aufgabe ist es, unser Überleben zu sichern.

 

 

Den Morgen lieben lernen

Spätestens seit einer beeindruckenden Krise im Alter von etwas über 40 Jahren habe ich den Morgen lieben gelernt.

Wenn ich heute in der Früh aufwache, weiß ich, dass mir dieser Morgen geschenkt ist. Weiß ich, dass es kein Recht auf einen neuen Morgen gibt.

Dieser Morgen ist ein Geschenk. Alles ist noch frisch und neu. Das Draußen erwacht gerade erst. Viele Menschen schlafen vielleicht noch. Es liegt so eine ganz besondere Stimmung in den Morgenstunden. Die möchte ich mir nicht entgehen lassen, weil sie mich und meine Seele nährt, meine Gedanken beruhigt und meinen Körper stärkt.

Ich werde wach und beginne damit, mich und meinen Zustand erstmal wahrzunehmen. Meinem Atem zu lauschen, der wie gewohnt ein und ausströmt. Ich beginne Einzug zu halten in meinen Körper, anzukommen in seinem Reich. Wenn ich so Einzug halte und bemerke, ich bin ohne Schmerzen oder einem Gefühl von Unwohlsein aufgewacht, weiß ich auch dann – Ein Geschenk.

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Jeder Morgen ist ein neuer Anfang unseres Lebens.

Dietrich Bonhoeffer

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Wenn das Licht in das Zimmer strömt und so wie heute die Sonne scheint, gönne ich mir Zeit. Bleibe liegen und schau in den Himmel, beobachte die Vögel, lausche Frühlingsgeräuschen.

Für diesen Beginn des Tages stelle ich mir meinen Wecker, damit ich genügend Zeit vor der Arbeit habe. So aufgewacht nehme ich eine Stärkung mit in meinen Tag.

Kennen Sie Ihren Resilienzbereich?

Kennen Sie die Phasen im Arbeitsleben, in denen Sie nur so aus dem Vollen schöpfen können? Sie haben Stress, aber du merkst, du kannst die Arbeit bewältigen. Dein Stresslevel bleibt in einem guten Bereich. Sie haben das Gefühl von: Ich schaffe das.

In diesem Bereich haben Sie Zugriff auf all Ihre Möglichkeiten. Ihr Körper, ihr Geist und Ihr Gefühl stehen Ihnen beiseite. Sie haben Zugriff auf all Ihre Ressourcen. Die Neurobiologie hat uns gezeigt, dass in diesem Zustand wichtige Hirnteile gut zusammen arbeiten. Und genau das ermöglicht Ihnen ausgewogene Handlungen, Entscheidungen und Lösungen. Kommunikation, die gelingt wird möglich.

Und genau dieser Bereich nennt sich Resilienzbereich. Lydia Hantke und Hans J. Görges, vom Trauma Institut Berlin, nennen diesen Bereich Ressourcenbereich.

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Der Begriff Ressourcenbereich

„umfasst, was ein Mensch leisten kann,

wenn er auf alle Möglichkeiten von Körper und Geist optimal zugreifen kann.“ L. Hantke/H.J. Görges

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Michaele Huber z.B., eine bekannte Traumatherapeutin, bezeichnet diesen Bereich als Lernfenster. Ein gar nicht so schlechter Begriff, weil wir nämlich tatsächlich nur in diesem Bereich offen sind für neue Lernerfahrungen.

„ Wir verarbeiten Informationen dann am besten, wenn sich unsere Spannungskurve flexibel in unserem Ressourcenbereich bewegt.“ L. Hantke/H.J. Görges

Und gleichzeitig ist es auch der Bereich in dem wir uns verbunden fühlen können, mit uns und anderen Menschen. Hier sind wir fähig zur Selbstfürsorge und zur Fürsorge für andere Menschen. Hier erst sind wir beziehungsfähig.

Wächst mit steigender Anforderung oder durch eine gefühlte Bedrohung unser Stresslevel geraten wir in die Überspannung, in die Übererregung. Unser Körper wird auf Kampf- oder Flucht eingestellt und in Windeseile mit den nötigen Neurotransmittern versorgt. Unser Erleben und Handeln verändert sich ziemlich sofort.

Diesen Zustand kennen wir alle. Wir reagieren mit Herzklopfen, mit flacher Atmung, mit Konzentrations- und Verständnisproblemen und manchmal werden wir auch brüsk oder bärbeißig. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ein wesentlicher Teil unseres Gehirns, der denkende und reflektierende Teil,  nicht mehr gut mitarbeitet.

Nun handeln wir aus dem “lymbischen System”, aus unseren ungefilterten Emotionen heraus. Hier wird nicht mehr abgewogen, überprüft oder kreativ entschieden. Hier geht es um Reaktionen aus der Angst heraus.

Warum erzähl ich Ihnen all das?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dieses Wissen war eine große Erleichterung für mich. Ich fing an mich und andere Menschen ganz anders zu verstehen. Ich konnte plötzlich wahrnehmen, in welchen Zuständen ich mich befand, mein Gegenüber sich befand.

Gerade in wichtigen Gesprächen ist es hilfreich, dass wir wissen, ob wir uns im Ressourcenbereich befinden.

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Also lautete die Frage,

wie komme ich immer wieder zurück in meinen Resilienzbereich?

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Es beginnt zunächst mit einer wohlwollenden Aufmerksamkeit auf das eigene Stresslevel und dann gibt es viele unterschiedliche Methoden, die uns helfen, immer wieder in diesen gesundheits- und beziehungsfreundlichen Resilienzbereich zurückzufinden.

Einige dieser Methoden stelle ich Ihnen in meiner Fortbildung “Methodenkoffer Stressregulation” vor.

Vielleicht habe ich Sie ja neugierig gemacht.

Stressregulation? – Der Körper weiß wie´s geht.

Anspannung gehört zum Leben. Das Leben ist so komplex und herausfordernd, dass wir ganz natürlich zwischen Anspannung und Entspannung hin und her pendeln.

Nicht nur wir Menschen, sondern mit uns auch andere Säugetiere, wie etwa Katzen und Hunde.

Solange wir hin und her pendeln und ein Gefühl für Ent- und Anspannung haben ist alles in Ordnung. Problematischer wird es, wenn wir die Anspannung nicht mehr wahrnehmen und nicht für eine wohlwollende Entspannung sorgen können.

Schauen wir mal bei den Tieren vorbei. Ein Hund, der gerade eine Begegnung mit einem anderen nicht einschätzbaren Hund hatte, geht in die Anspannung. Eigentlich müsste man sagen, sein Nerven-, sein Sicherheitssystem führt ihn in die Anspannung -“Ich bin auf alles vorbereitet! Kampf und Flucht sind mir möglich.”.

Danach dann, sobald sich diese nicht einschätzbare Begegnung auflöst, schüttelt sich der Hund. Und löst mit dieser körpereigenen Reaktion die Anspannung auf. Das Nervensystem fährt die Erregung runter, es schüttelt sie sozusagen ab.

Schütteln ist auch für uns Menschen eine körpereigene Möglichkeit, die uns in die Entspannung zurückführt.

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Laden Sie Ihren Körper ein.

Beide Füße stehen auf der Erde und Sie bewegen die Fersen etwas auf und ab. Die Knie sind leicht angebeugt und weich. Vielleicht nehmen Sie sich etwas Musik dazu.

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Eine andere, körpereigene Methode zur Stressrergulierung ist das Gähnen. Gähnen hat einen ganz schlechten Ruf. Wenn es auftaucht wird uns nachgesagt, wir wären müde und hätten kein Interesse mehr an der Interaktion, oder an unserem Gegenüber.

“Oh, ich langweile dich wohl?”

Etwas ganz anderes ist der Fall: Der Körper lässt uns Gähnen, um frisch und aufmerksamer werden zu können. Gähnen hat somit eine soziale Funktion. Es ist eine körpereigene Reaktion, um in der Aufmerksamkeit, in der Begegnung bleiben zu können. Gähnen ist eine weitere Möglichkeit des Körpers unseren Stress zu regulieren.

Scheuen wir uns nicht genüsslich zu Gähnen. Tiefes, tönendes Gähnen erleichtert uns. Sie werden nach einer kurzen Zeit merken, dass ihnen die Tränen kommen. Alles ganz normal. Die im Stress “erstarrten Flüssigkeiten” fangen wieder an zu fließen.

Eine weitere Möglichkeit zur körpereigenen Regulierung liegt im Strecken und im Recken. Auch dies ist uns, aus dem Tierreich, hinreichend begannt. Schauen Sie sich die Katze auf dem Foto an. Sie reguliert gerade ihr Nervensystem.

Das Strecken hilft uns die bereitgestellte Energie in der Anspannung – für Flucht und Kampf – in den Muskeln wieder aufzulösen. Zudem hat es ebenso, wie das Gähnen einen Einfluss auf unseren größten Atemmuskel, das Zwerchfell. Es bewegt ihn, weitet ihn und ermöglicht uns somit eine vertiefte Atmung. Und eine vertiefte Atmung ist der kürzeste Weg zur Stressregulation.

Manchmal braucht es ein bisschen Überwindung. Die Regulierung, die sich einstellt spricht aber durchaus dafür.

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Diese kleinen Methödchen sind körpereigen.

Unser Körper kennt sie. Er weiß, wie´s geht.

Machen wir gemeinsame Sache mit ihm.

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Ich wünsche Ihnen erholsame und erfrischende Momente beim Schütteln, Recken, Strecken und Gähnen.

Das Gefühl von Verbindung geht immer vor.

Kennen Sie das Gefühl neben sich zu stehen? Mitten im Stress. Sie funktionieren noch und erfüllen alles, was von Ihnen erwartet wird. Das Gefühl für sich selbst oder die Verbindung zu sich selbst haben Sie auf diesem Weg verloren.

Das ist, mitten im Stress, ganz normal und vielfach auch hilfreich. Denn wenn tatsächlich mal Lebensgefahr droht ist es lebensrettend, wenn wir schnell und zügig funktionieren können. Etwa zur Seite springen können, wenn ein Auto kommt.

Hier braucht es kein Nachdenken, kein Nachsinnen und kein Gefühl – hier braucht es alles, was uns das Leben rettet.

Da es aber im Berufsalltag selten um Leben und Tod geht ist es hilfreich die Verbindung zu sich selbst und damit zu den anderen zu behalten. Es ist nährend, wenn wir im Kontakt fühlen und spüren können. Es ist das, was pädagogische, helfende und auch führende Arbeit eigentlich ausmacht.

Vielleicht kennen Sie das auch. Sie haben Streit, eine Differenz oder sagen wir Stress mit einer Kollegin oder gar mit der Leitungskraft. Wie wirkt sich das auf Sie selbst und auf Ihre Arbeits- und Leistungsqualität aus?

Ist die Verbindung zwischen uns Menschen gestört – und wir spüren das sofort – verlieren wir an Aufmerksamkeit, an Leistungskraft, an Beziehungs- und Arbeitsqualität.

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Das Gefühl von Verbindung geht immer vor.

Früher sagte man, Störungen gehen vor.

Heute stellt sich die hilfreichere Frage,

was brauchen wir, um wieder in die Verbindung zu kommen?

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Bevor wir weiter gehen und wesentliche Dinge miteinander besprechen können, ist es notwendig die Verbindung zu uns selbst und dann zu der Kollegin, zur Angestellten oder auch zu den Kindern, den Eltern oder dem, der Partner/In zu Hause wieder herzustellen.

Es ist Zeit für eine Pause, eine Atemübung, einen Gang um den Block. Es ist Zeit für eine innerliche Beruhigung. Es ist Zeit, dass erschrockene oder verärgerte Herz wieder zur Öffnung einzuladen. Es ist Zeit für Mitgefühl und Wohlwollen mit uns selbst und dem anderen.

Nehmen wir uns Zeit für Verbindung, bevor wir in die nächste Methode gehen, bevor wir erneut ins Handeln oder Funktionieren kommen.

Für eine gute und gesunde Arbeitsatmosphäre und Arbeitsqualität brauchen wir das Gefühl von Verbundenheit.

 

Und das Beste ist . . .

Wir leben in herausfordernden Zeiten.

Corona zeigt uns überall Begrenzungen auf. Angst, Unwohlsein und Gereiztheit bis hin zu Wut, Zorn und Gewalt breiten sich aus.

Nehmen wir uns Zeiten zum Klagen und Jammern, zum Wut und Angst abbauen. Das ist wichtig.

Und wichtig ist auch der Blick auf´s Gute. Der Blick auf´s Beste.

Inmitten, von dem, was gerade ist.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Malen Sie Dinge, die wirklich schlimm und leidvoll sind nicht rosa an. Das meine ich nicht.

Und in all dem Herausfordernden, dem Schlimmen und Schrecklichen gibt es immer auch etwas Schönes, Gutes und Hilfreiches.

Lassen Sie das nicht verloren gehen. Es wäre schade. Das genau ist es, was uns hilft diese Situation durchzustehen.

Sie kennen vielleicht, die Redewendung: “Das Schlimmste ist …”.

Das Schlimmste ist die Maske. Das Schlimmste ist die Kontaktarmut. Das Schlimmste ist die Ungewissheit. Das Schlimmste ist die Kurzarbeit. Und es geht immer noch schlimmer, ich weiß.

An dieser Stelle ist es mir ganz wichtig zu betonen, dass wir zwar alle unter Corona leiden, aber die einen mehr als die anderen. Das weiß ich, ahne ich und würdige ich.

Für die einen wird meine Übung einfacher sein und für andere unvorstellbar. Dessen bin ich mir bewusst.

Für all die, die mit gehen können und möchten ist diese Übung gedacht. Vielleicht für die, die anderen, schwerer betroffenen Mitmenschen zur Seite stehen wollen und dazu Ihre ganze Kraft brauchen. Für all die, ist diese Übung gedacht.

Drehen wir “Das Schlimmste ist…” mal um. Lassen Sie uns mal ausprobieren:

“Und das Beste ist …”

Die Freude am Leben zu sein, die Freude ein warmes Bett und einen heißen Kaffee zu haben, die Freude sich in diesem Moment noch gesund zu fühlen oder auch wieder etwas gesünder, die Dankbarkeit für einen Arbeitsplatz, die Kostbarkeit von ganz vereinzelten Begegnungen und, und, und…

Das Beste finden wir, wenn wir uns klar werden, dass all das, was da ist nicht selbstverständlich ist. Leben ist nicht selbstverständlich. Es ist ein Geschenk. Gesundheit ist nicht selbstverständlich, sie ist zerbrechlich.

Finden Sie, schaffen Sie Gelegenheiten für diesen Blickwinkel. Beim Zähne putzen, beim zu Bett gehen, im Teamraum … Und das Beste heute ist/war . . .

Lassen Sie uns immer mal wieder auf die Suche nach dem Besten gehen, inmitten dieser absolut herausfordernden Zeiten. Das ist, was uns ermutigen und was uns Zuversicht geben kann.

Immer wieder.